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AGH Akademia Górniczo-Hutnicza / Kraków

Analyse der Beschädigungen an den Konstruktionselementen des Schlosses zu Gorzanow /  ehem. Grafenort (2012).

Zusammenfassung: Im Artikel wird die Analyse der Beschädigungen der Konstruktionen des Palastes Ensemble in Gorzanów dargestellt.

Es wurde aktueller technischer Zustand des Objekts beschrieben, auch die Wiederaufbau - Vorschläge aufgrund der durchgeführten Bestandsaufnahme. Auf dieser Grundlage wurden die Hauptfaktoren dargestellt, die die Schädigung der wichtigsten Konstruktionselemente des Palastes verursachen und es wurde ein Vorschlag der dringendster Sicherungsarbeiten dargelegt, um die weitere Zerstörung des Objekts einzuschränken.

1. Einleitung

Alte Palastensembles gehören zu der Landschaft von Niederschlesien.

In den letzten Jahrzehnten schritt aber bei vielen von ihnen die Zerstörung der Bausubstanz voran, verbunden mit Verlust der künstlerischen Werte. Es resultiert häufig von nicht geregelten Eigentumsverhältnissen und häufiger Notwendigkeit der Durchführung sehr umfangreicher Modernisierungsarbeiten, um diese Objekte in brauchbaren Zustand zu versetzen.

Die ähnliche Lage besteht im Fall des Palast-Ensemble in Gorzanówwo wegen mangelnder Sicherungsmaßnahmen und Unterlassung der notwendigen Modernisierungsarbeiten das Objekt in den Zustand einer Baukatastrophe versetzt wurde. Häufiger Eigentümerwechsel und Mangel der laufenden Ausbesserungsarbeiten haben teilweise zu anhaltender Schädigung der tragenden Elemente geführt, auch die ehemals sehr prächtig ausgeführten Kunstwerke und architektonische Feinheiten wurden zerstört.

2. Beschreibung und Geschichte des Objekts

Gorzanów ist eine malerische Ortschaft im Zentrum der Glatzer Region, am Fluß Glatzer Neisse.

1573 entstand dort ein im Renaissancestil gehaltenes Palast-Park-Ensemble, erbaut durch Johann Friedrich von Herberstein.

In den Jahren 1653-1657 wurde das monumentale Palais teilweise im Barockstil umgebaut.

Zurzeit besteht das Palais aus 4 Flügeln die einen Innenhof von 250 qm erfassen, mit repräsentativem Hauptkorpus an der östlichen Seite (Zeichnung 1).An die Palastflügel grenzen vom Norden u. vom Süden seitliche, unregelmäßig gestaltete Innenhöfe, teilweise mit Zusatz-Flügeln umgeben, und vom Westen ein großer rechteckiger Platz umsäumt mit Wirtschaftsgebäuden.

Östlich vom Hauptflügel befand ein englisch - französicher Park, dessen einziges Überbleibsel ist zurzeit eine Rotunde-Grotte mit Stuckwerken dekoriert, projektiert von J. Carove. Über dem Einfahrtstor in den Haupthof ist eine Figur des Heiligen Georg plaziert.

Hauptkorpus, 3-Stockwerke hoch mit stark verlängerter 12-Achsen-Fassade ist mit charakteristischen steilen Satteldach mit kräftigem Überhang. Das Dach ist auf den kürzeren Seiten mit 3-Stockwerk-gestaffelten Abschlußmauern abgegrenzt, dekoriert mit Ogeen, auf den Dachseiten finden sich jeweils regelmäßig verteilte Gauben mit dekorativen Spitzen. Das Innere des Palastes ist auf dem Riß des 2-Trakt-Planes gestaltet mit Durchgangssälen und einer Eingangshalle in der Mittelachse des Innenhofes.

In der Elevation des Hauptkorps von der Seite des Innenhofes findet sich ein Turm-Vorsprung mit Eingang in das Erdgeschoß, der Turm ragt über Krönungssims und ist abgedeckt mit einer Helmkalotte mit 2 Fenstern (Zeichnung 2).

Auf den Seiten des Turmes findet sich im 2. Stock eine offene Loggia, mit 2 Paar Säulen, zwischen denen jeweils 3 Arkaden liegen, die mit noch einem Krönungssims abgedeckt werden.

Die sonstigen Flügel sind niedriger 2-stöckig und sind mit Pultdächern abgedeckt.

Die Ecken des Hauptgebäudes sind mit Rustiken abgeschlossen, die Fassade ist mit einer gesamten Gamme von Ornamenten dekoriert. Die Räume im Erdgeschoß sind mit Faßgewölben mit Lunetten abgedeckt, mit scharfen Gewölbenähten. Die Säle im 1. Geschoß hatte ursprünglich Renaissance-polychromierte Balkendecken, die im Halbflügel im 18 Jahrhundert zu polichromierten Plafonen umgebaut wurden, mit antiker und zeitgenössischer Ornamentik. Der Saal der Ahnen, genannt auch Terrena (Zeichnung 3) ist im Erdgeschoß von der Mitte des Parks plaziert, dekoriert ist er mit barocken Stuck.

 

Zeichnung 1: Archivarbild des Palais-Ensemble

 

                      a)                                                                                              b)

   

Zeichnung 2. Bild des Turmes und des Innenhofes a) aktuell u. b) in der Zwischenkriegszeit 

Im 18. Jahrhundert wurde das Turmdach auf Zwiebeldach umgebaut. Auf der Elevation des Turmes gibt es eine Wappen-Kartusche u. auch eine Tafel mit Aufzeichnung der Besitztümer der Palastinhaber, unter Anderem ist Lanconitz (Długopole) erwähnt.

Auf dem Wirtschaftseingang gegenüber des Parks gibt es eine Figur des Heiligen Jan von Nepomuk mit einem Kruzifix von der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts.  

 

                      a)                                                                                                               b)

   

Zeichnung 3. Terrena-Saal a) aktuell b) Zwischenkriegszeit

 Nach dem 2. Weltkrieg wurde nach Niedeerschlesien die Bevölkerung aus den östlichen polnischen Gebieten umgesiedelt, das sich um das Palais nicht kümmern konnte und die Elemente der Ausstattung zu eigenen Zwecken nutze. Den jetzigen Zustand kann man nur als Ruine bezeichnen.

 

2010 hat eine der Inhaberinnen einen Versuch unternommen, die Dachkonstruktion zu sichern, allerdings unbedarft durchgeführte Arbeiten haben weitere Zerstörungen verursacht. (Zeichnung 4) .

Die reich geschmückten Innenräume, die bis jetzt nicht zerstört oder ausgeraubt wurden, sind jetzt den atmosphärische Einflüssen freigegeben, die Stuckwerke werden im großem Tempo zerstört.

  

 

Zeichnung 4: Ansicht des Daches des zentralen Teiles des Palais.

3.

Die im Sommer 2012 durchgeführte Bestandsaufnahme hat die Haupt –Schädigungen aufgezählt.

- Beschädigungen des Daches des Zentralteiles des Palastes.

- Beschädigungen und Mängel der Decken

- Schädigung der Gewölbe

- Risse und Aufschlitzung der Wände

- Schädigung der Fußböden und des Verputzes.

- Beispiele der Schädigungen sind auf den Bildern 5-8 dargestellt.

Man soll erwähnen, daß die meisten Schäden im zentralen Anteil des Palastes entstanden sind, in dessen Ostteil wegen der schlecht geführten Renovierungsarbeiten ein Teil des Daches zerstört wurde. Ebenfalls im Westteil, wo sich noch unlängst bewohnbare Räume befanden, entstanden viele Schädigungen wg. mangelnden Daches

 

   

Zeichnung 5. Schädigungen des Daches im zentralen Palais

 

   

Zeichnung 6. Schädigung der Decken

   

Zeichnung 7. Risse in den Wänden

 

   

Zeichnung 8. Feuchtigkeitseinbrüche in den Mauern u. Decken.

4. Analyse der Schädigungsursachen.

Als Hauptursache der Schädigungen soll die Auswirkung des Wassers auf Konstruktionselemente angenommen werden, vor allem auch alte Holzdecken.

Es ist durch die Undichtigkeit des Daches an dem Übergang der Seitensparren in die Mauer der Gauben und mit völligem Mangel des Daches im zentralen Anteil des Palastes. Hier wurde offensichtlich beim Versuch der Renovierung die Bespannung abgebaut. Ursprünglich war das Dach mit Schieferplatten abgedeckt, bei dem Versuch der Renovierung im zentralen Anteil wurde Schiefer gegen Keramikdachziegel ausgetauscht, ohne zusätzliche Verstärkung der Dachkonstruktion. Zusätzlich hat die biologische Korrosion der Holzelemente und deren Überlastung zu einem Zusammensturz der Elemente verursacht. Dadurch wurden die darunter gelegenen Decken zerstört.

Schlecht ausgeführte Übergänge des Daches in die Mauern versuchten nur örtliche aber sehr intensive Wassereinflüsse auf die Konstruktion der Holzdecken. Durch die Zerstörung der Decken des höchsten Stockwerks wurden auch die darunter gelegenen Decken beschädigt, die Zerstörungen sind aufgezeichnet auf den Zeichnungen 9/10  

Zeichnung 9. Regiestrierte Beschädigungen auf einzelnen Etagen des Hauptgebäudes des Schlosses:

1) fehlende Deckung, 2) fehlende Decke, 3) Wasserschäden, 4) bedetende Schädigungen der Decken, 5) bedeutende Fuechtigkeit und biologische Korosion

      a)                                                                           b)

   

Zeichnung 10: Wasserschäden, a) im 2. Stock b) im1. Stock

 

 

 Festgestellte Schädigung einzelner Stockwerke im zentralen Anteil des Palastes.

  1. fehlendes Dach

  2. fehlende Decke

  3. Wasserschäden

  4. bedeutende Schädigung der Decken

  5. Feuchtigkeit und biologische Korrosion   

 

Holzelemente der Decken und des Dachstuhls weisen auch lokale Schädigungen durch biologische Korrosion auf. Verursacht wurde das durch mehrjährige Abnutzung, schlechte Klimaverhältnisse und mangelnde Konservierung der Dächer. Die schlimmsten Schädigungen können in den Stellen festgestellt werden, wo die Deckenbalken auf den Mauern abgestützt werden und lokal auch in anderen Stellen.

Das wurde auch durch durchgeführte Messungen der Verformung einiger Decken, siehe Zeichnung 11., dargelegt.

 

 Zeichnung 11: Messung der Verbiegung eines Deckenbalkens

 

Mehrjähriges Fehlen der ausreichenden Sicherung vor Wassereinflüssen hat zu einer Ansammlung der Feuchtigkeit sowohl in den inneren als auch in den äußeren Wänden.

Das hat zur Absprengung des Verputzes, zur Zerstörung der Maueroberfläche und auch zu einer Zerstörung der Mauerelemente geführt.

Zum Zwecke der Feststellung der Ursache der sonstigen Schädigung, insbesondere der Wandrisse, wurde die Untersuchung des Untergrundes durchgeführt.

Es wurden Untersuchungs-Kernbohrungen in der Nähe der Wände durchgeführt insbesondere an den Stellen besonderer Schädigungen, auch wurden mehrere Sondierungen gemacht. Aufgrund dieser Untersuchungen wurde festgestellt, daß der Untergrund aus folgenden Schichten besteht:

Sand- Lehm 0,65 m, Lehm-Sand 0,85, Sand-Lehm 0,10 m, in der Tiefe von 1,60 m fand sich felsige Formation. Die durchgeführte Untersuchung des Baugrundes zeigte, daß das Gebäude auf einem sehr stabilen Felsuntergrund aufgebaut wurde. Daraus ist zu schließen, das die geplatzten Wände nicht durch die Instabilität des Baugrundes verursacht sind , vielmehr fehlen die Elemente von denen die Wände von außen zusammenhalten würden. Es ist auch die Schwächung der Konstruktion erfolgt, verursacht durch die fehlenden Decken bzw. durch den schlechten Zustand.  

5. Zusammenfassung und Empfehlungen

Die durchgeführte Untersuchung der Schädigungen hat es ermöglicht, den technischen Zustand des

Objekts zu bestimmen. Die Zerstörung des Palastgebäudes schreitet voran und manchen Teilen droht weitere Zerstörung bis zu vollständiger Katastrophe. Um weitere Destruktion des Gebäudes anzuhalten müssen vor allen Dingen der Dachstuhl und die Dachbedeckung im östlichen Flügel ausgewechselt werden, es muß auch die Wasserableitung von den Dachflächen gesichert werden. Wegen aufgetretener Wandrisse ist eine Versteifung der Konstruktion in den Stellen notwendig, wo Deckenteile bzw. ganze Decken fehlen. Die Versteifung der Konstruktion kann durch Einbau neuer Decken bzw. Einbau vorläufiger tie-beams. Die Schädigung der tragenden Wände sollen durch Injektion von Zementmörtel und Armierung mit Betonstählen, einbetoniert unter rechtem Winkel zu der Richtung der Risse. Holzdecken, die im guten Zustand erhalten wurden, könnten z.B. durch Anwendung von Kohlenfaser-Bändern (CFRP-Bändern) verstärkt werden. In den Stellen, wo die biologische Zerstörung bereits fortgeschritten ist, insbesondere in den Abstützstellen der Holzbalken

soll man die Elemente auswechseln bzw. Verstärkungen aus Stahlprofilen oder Holzauflagen einbauen.

Vor der Erhöhung der Belastungen auf die alten Holzdecken, muß eine Materialuntersuchtung durchgeführt werden, bei deren niedriger Tragfähigkeit könnte die Aufhängung der alten Holzdecken auf einer neuzeitigen Monier-Betonplatte durchgeführt werden. Diese Lösung würde nicht nur die Tragfähigkeit der Decken erhöhen, aber auch die gesamte Konstruktion versteifen und damit der Entwicklung weiterer Wandrisse vorbeugen.

Mehrjährige Vernachlässigung der Objekt-Konservierung läßt sich nur sehr schwer rückgängig machen. Die durch die neuen Inhaber begonnenen Sicherungsmaßnahmen erlauben es optimistisch zu sein und lassen uns hoffen, daß der Palais und die Umgebung die alte Schönheit und Bedeutung wiedererlangen.

Kraków 2012 

Literatur

1.   Łuczyński R. M.: Losy rezydencji dolnośląskich w latach 1945-1991, Atut 2010.

2.   Mazurski K. R.: Ziemia Kłodzka - część południowaSudety 1996.

3.   Pilch J.: Leksykon zabytków architektury Dolnego ŚląskaArkady 2005.

4.   Śląska Biblioteka Cyfrowa. „Litographie u.(nd) Druck von Otto Pompejus in Glatz”, w zbiorach Biblioteki Śląskiej w Katowicach.

5.   Materiały udostępnione przez Towarzystwo Miłosników Gorzanowa, http://tmg.gorzanow.prv.pl/.

 

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